15./16. Dezember 2007

Die große Stadt hatte gerufen. Mein Kumpel Hartmut in Beijing hatte zu seinem 40. Geburtstag eingeladen. Dem Ruf sind wir gern gefolgt.
Samstagmorgen fiel mal wieder Deng Miao´s Deutschkurs aus. Sie hatte ihre Jacke schon in der Hand, als der Anruf kam. Insofern haben wir spontan umgeplant. Haben uns fertig gemacht und sind zu Tianjin´s Behelfsbahnhof gefahren. Ich hoffe, der neue bzw. renovierte Bahnhof wird bald eröffnen ... In Hand umdrehen hatten wir Fahrkarten, haben die herum lungernden Händler missachtet, die Deng Miao Provision versprachen, wenn sie den Laowai* in ihr Geschäft ... Taxi ... Restaurant ... führen würde. Mit dem neuen Hochgeschwindigkeitszug - der es auf der alten Strecke auf atemberaubende 160 Km/h brachte erreichten wir Beijing schon nach einer Stunde. Wir machten uns auf den Weg, um ein wenig Weihnachtsshopping in der Hauptstadt zu erledigen. Ich suchte Bücher! Aus Tianjin kommend hatten wir wirklich das Gefühl, plötzlich in einer Großstadt zu sein - sooo viele Menschen! Wir fanden ein neues, einfaches Café, in dem wir dann unsere plattgelaufenen Füße zur Erholung bringen konnten. Ich hatte die Chance, lecker Kuchen zu essen. Das war auch bitter nötig, da Deng Miao mir meine Nudeln so scharf gewürzt hatte, dass ich kaum die Hälfte davon hatte essen können.
Um 19.00 Uhr sollte es bei Hartmut im angemieteten "Cheers" losgehen. Bevor wir eintraten, statteten wir dem gegenüber liegenden DVD Laden noch einen obligatorischen Besuch ab. Er überzeigte dieses Mal nicht, daher stolperten wir gleich am Dönerladen vorbei die Treppen ins Cheers hoch. Eine ganze Reihe Gäste hatten sich schon versammelt, später würde man sich kaum bewegen können.
Freudig blickte ich dann der Eröffnung des Buffet entgegen. die Süddeutsche Bäckerei Café Konstanz hatte das Catering übernommen und leider musste ich bei einigen der schwäbischen Spezialitäten, die Hartmut geordert hatte, passen - ich konnte Deng Miao nicht bei allem erklären, was sie dort essen würde ... Aber, lecker war´s!
Ich traf einige bekannte Gesichter von voran gegangenen Parties und Bar-Besuchen in Beijing, von denen mich jedoch die wenigsten erinnerten. Deng Miao freute sich entgegen, dass ein chinesisches Paar der Ansicht war, sie sehe so jung aus, sie müsse wohl gerade das Diplom gemacht haben. Wie sie sich so freute, forderte sie die beiden auf, mein Alter zu schätzen. Das machte sie ganz gern mal und hoffte, ich würde so etwas "deklassiert" werden. Tatsächlich erschrak sie bei der Antwort, wir seien wohl im gleichen Alter (Tatsächlich waren wir ja sieben Jahre auseineinander ... )
Ja, der Abend lief, das Bier floß. Einige interessante Leute waren dabei - Leute, die beruflich für mich Kontakte darstellten, die erste Farbige, die mir auf die Wange küsste, die erste Mongolin, die Deng Miao und mich zum tanzen zwang, jedoch nicht der erste Hong Kong Chinese, den ich betrunken sah.
Gegen 3.00 UIhr verabschiedeten wir uns, wir mussten ja noch zurück in unsere Weltstadt Tianjin. Ein Hotel wollten wir für die halbe Nacht nehmen und waren uns stattdessen einig geworden, den Zug um 4.00 Uhr zurück zu nehmen. Natürlich bekamen wir keine Sitzplatzkarten mehr. Ich verstand das System Eisenbahn in China einmal mehr nicht, denn als der Zug am Bahsteig stand, war nicht einmal die Hälfte der Sitzplätze belegt. Wir entschieden, dann eben den doppelten Preis für den Liegewagen zu bezahlen.
Nun hieß es erst einmal eine Dreiviertelstunde warten. Wir setzten uns auf den Fußboden der Bahnhofshalle, wir die armen (einfachen) Leute um uns herum. Es erinnerte mich auf das frühere Warten  der ersten S-Bahn sonntagmorgens auf der Reeperbahn.
Nach einer Stunde Fahrt sprangen wir im Halbschlaf auf, der Zug hatte gehalten. Als ich schon aus dem Waggon hinaus geklettert war und auf dem Bahnsteig stand, erklärte die Schaffnerin, dass wir noch gar nicht in Tianjin waren. Also legten wir uns für eine weitere Stunde hin. Angekommen, ließen wir uns von einem der wartenden Taxifahrer mitnehmen und waren Sonntagmorgen um 7.00 Uhr daheim ...

16.12.07 07:29

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