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20. November 2007

Diese Woche lagen wieder Besprechungen mit unserem Bauherrn in China an.
Erst konnten wir auf der Baustelle das neueste Bauwerk bewundern. Normalerweise würde man in Deutschland etwa einen Außenaufzug montieren, um Material auf das Dach zu transportieren.  Um unsere ca. 35 Meter hohes Hallendach zu beschicken, hatte die chinesische Baufirma eine Rampe (!) aufgebaut! Mich erinnerte das ein wenig an den Pyramidenbau im alten Ägypten ...
In den Besprechungen selber musste ich feststellen, dass wir uns zwar immer wieder über die Übersetzungen der Chinesen wunderten – „radioaktiven Strom“ etwa würden wir mit Sicherheit in dem Projekt nicht haben wollen.
Aber wenn die Deutschen Kollegen statt „...be closed...“ in ihren Reports „Bee Closet“ schrieben, brauchten wir uns nicht wundern, wenn die Chinesen ihrerseits von „Bienen Toilette“ sprechen würden ...

1.12.07 16:22, kommentieren

23. November 2007

 

Geschäftlich verschlug es mich vergangene Woche für ein paar Tage nach Shanghai ...

 

Zurück in Shanghai. Wenn auch nur für ein paar Tage. Merkwürdiges Gefühl, denn es war nicht mehr mein Zuhause. Seit knapp zwei Monaten lebten wir in Tianjin. Somit hatte ich nun schon zweimal mein Zuhause verlassen. Erst Hamburg, dann Shanghai. Das Gefühl sich in Shanghai zu bewegen war noch anders - wehmütiger, als Hamburg zu besuchen.

 

Hamburg war meine Heimat. Ich war stolz, dort her zu kommen, da hin zu gehören. Irgendwann würde Hamburg wieder mein – ja, unser! – Zuhause sein. Shanghai nicht. Nach Shanghai würde ich nur noch als Besucher kommen, doch nie wieder hier leben. Das war nach drei Jahren vorbei.

 

Es war interessant zu beobachten, wie sich meine Perspektive verändert hat. Als wir noch in Shanghai wohnten, empfand ich Hong Kong deutlich als internationale Metropole, der gegenüber Shanghai weit zurück lag. Aus Tianjin beobachtend war Shanghai schon ein Stadt, die weit oben in der Liga der großen Städte weltweit mitspielte.
Ich glaube inzwischen, dass ich eine Art hassliebe zu Shanghai entwickelt habe. So sehr mir zwischendurch die Menschenmassen hier auf den Sack gingen, so sehr faszinierten sie mich im Endeffekt doch. Jubel, Trubel, Heiterkeit war hier einfach angesagt. Farbenfroh und lebendig ist die Stadt. Das ist in Tianjin eben nicht der Fall.

 

Aber ich musste mittlerweile zugegeben, wir genießen dort die Ruhe in Tianjin. Langsam fanden wir neue Locations, die auch in Tianjin das Leben angenehm(er) machten. Monatlich gab es neue Geschäfte, in denen man westliche Waren einkaufen konnte. Deutsches Schwarzbrot, Bagels, deutsches Fassbier – kein Problem mehr! Neue Restaurant eröffneten. Aber es ist noch ein weiter weg, um zu den spannenden Städten China´s aufzusteigen und erst recht, um ein Global Player zu werden ...

1 Kommentar 1.12.07 16:25, kommentieren

15. November 2007

Am 15. November ist Winteranfang in China. An diesem Tag sollen nördlich des Yangtze die Heizungen laufen. Bis 15. März versorgten die öffentlichen Fernwärmeleitungen alle angeschlossenen Wohnungen mit Wärme.

 

Seit einigen Tagen schon nervte unserer Fahrer – bei ihm wären die Heizungen schon warm, bei uns noch immer nicht??

 

Als ich nun am 15. November abends heim kam, war ich schon angenehm überrascht, selbst im Aufzug kam eine wohlige Wärme aus dem Lüftungsschlitz in der Decke. Selbst der Hausflur bei uns im 15. Geschoss war warm!

 

Wärmer leider als unsere Wohnung. Das war nicht so schön. Für die Größe von Räumen und Wohnung waren die Heizkörper eh schon unterdimensioniert. Außerdem waren überhaupt nur wenige von ihnen überhaupt lauwarm.

 

Das hatte ich mir hier oben im Norden schon anders vorgestellt! Naja, abwarten hieß es dann wohl. Abwarten, und erstens hoffen, dass er innen wärmer würde und zweitens, dass es draußen nicht zu kalt würde.

 

Schon jetzt hatten wir nachts 0 Grad und weniger. Minus 15 Grad im Winter sei aber nichts ungewöhnliches ....

 

1.12.07 16:31, kommentieren

24. November 2007

Am heutigen Samstag würden wir unsere Freundin Zhu Yan besuchen. Sie war frisch verheiratet und wohnte etwas außerhalb Shanghais. Vor knapp 4 Wochen hatte sie Nachwuchs bekommen und den wollten wir uns anschauen ...

 

Tags zu vor hatte ich meiner Frau vorgeschlagen, sie könne ja schon mal die Zugtickets kaufen. Nein, das sei nicht nötig, von Shanghai fuhren die Züge nach Shanghai im 5 Minuten Takt.

 

So die Antwort gestern. Heute war es dann nicht mehr so – der nächste Zug würde in 1,5 Stunden erst fahren. Klasse. Solange würden wir dann planlos herum sitzen.

 

Ich kannte es von anderen Fahrten mit den Schnellzügen, dass man Kunshan in 20 Minuten erreichte. Unser Zug brauchte nun eine satte Stunde.

 

Zwillinge angeschaut, bewundert wie Zhu Yan sich auf Grund unterschiedlicher Dialekte sich nicht mit ihrer Schwiegermutter unterhalten konnte und dann auch bald wieder heim. Nun stand unser Zug am Bahnhof und fuhr einfach nicht los! Nach etwa 20 Minuten des Wartens, wurde plötzlich 7 Gestalten über den Bahnsteig geschliffen. Taschendiebe! Direkt vor unserem Waggon konnten wir zusehen, wie man ihnen Handys, Geldbörsen, Uhren abnahm. Wie man ihnen die Schuhe auszog, wie man ihnen auch mehr aus zog, wie man sie mit ihren Schnürsenkel fesselte, wie man sie prügelte und trat.

 

Mit schließlich 45 Minuten Verspätung fuhren wir ab. Und wohl alle Mitfahrenden um mich herum waren enttäuscht, dass das Schauspiel vor dem Fenster beendet war ...

 

1 Kommentar 1.12.07 16:34, kommentieren

28. November 2007

Warum bekam ich im Flugzeug stets einen Platz am Gang? Das nervte! Jedes Mal aufstehen, wenn einer rein oder raus wollte. Ständig angerempelt werden. Beim nächsten Mal würde ich beim Check-In auf einen Fensterplatz bestehen!

 

Freudig überrascht war ich, als das Frühstück serviert wurde. Es gab warme Speisen! Doch nicht etwa Rührei? Lecker ... !

 

Die Ernüchterung kam schnell – es wurde Reis-Matsch-Suppe serviert. Mir verging der Appetit. Er kam jedoch schnell zurück, denn zu meinem Staunen, liefen die Stewardessen jetzt den Gang auf und ab und verteilten aufgebackene Croissants! Das hatte ich ja noch nie an Bord eines chinesischen Flugzeuges erlebt ...

 

 

 

1 Kommentar 1.12.07 16:35, kommentieren

05. Dezember 2007

So muss das sein!
Da sitzen wir hier gerade vertraeumt in unserem Baubuero am Arsch der Welt, geht die Tuer auf und 2 Auslaender kommen herein maschiert.
Mit breitem amerikanischen Akzent erklaerten sie, wir saehen aus, als wuerden wir Pizza vertragen koennen.
Sie haette eine Pizzeria gar nicht weit von hier und wollten sich mal vorstellen.
Und zur Vorstellung stellten sie und gleich mal 4 (!) Pizzas auf den Tisch!

Da wir heute nur zu dritt sind und die gar nicht aufessen konnten, haben wir die deutschen Kollegen von der Haustechnik-Firma dazu geholt und eine zu den Chinese Partners rueber getragen.

Ja, hoffentlich werden wir noch mehr solcher Tage verbringen!

5.12.07 08:31, kommentieren

6. Dezember 2007

Der Duft der grossen weiten Welt, er war diese Woche in Tianjin.
Das Broadway Musical "42nd Street" gastierte im Grand Theatre der Stadt. Schon in Shanghai hatte ich dies sehen wollen, doch im Vorverkauf leider keine Karten bekommen und war dann krank gewesen. In Beijing hatte ich Werbung gesehen, war aber leider zur Zeit der Auffuehrungen nicht in der Stadt. Nun war es soweit - ich hatte Zeit und war gesund!
Auf der Strasse hatte ich mir ein Ticket gekauft und statt 480 RMB nur 200 RMB gezahlt. Nachdem ich eine halbe Stunde in der Dunkelheit vor dem Theater gewartet hatte, oeffneten die Tore und wir Wartenden erhielten Einlass. Die Lobby war sehr nuechtern, ihr kalte Ausstattung erinerrte mehr an ein Museum oder gar eine Behoerde, denn an ein Theater, einen Ort der Muse!
Innen war es dann aber in Ordnung, auch wenn mich die allgegenwaertige Holzvertaefelung an Schrankwaende der 70er Jahre erinnerte. Die Auffuehrung selbst war gut. Fuer Details fehlen mir leider Vergleiche. Enttaeuscht war ich jedoch von der Atmospaehre im Theater. Obwohl ich dies schon kannte, wusste wie sich chinesisches Publikum verhielt, hatte ich das wohl verdraengt ...
Einige wenige Gaeste - ich schaetze mal 80% der Anwesenden - schienen sich gar nicht fuer das Stueck zu interessieren. Zum Beispiel das Paerchen vor mir. Erst kamen sie 15 Minuten zu spaet. Dann assen sie ihr Abendessen, auf einer raschelnden Papptuete von KFC oder McDonalds. Wenn sie nicht gerade Fotos der Auffuehrung machten oder Filmsequenzen aufnahmen, unterhielten sie sich. Schliesslich verglichen sie ihre Telefone.
Ich hatte den Verdacht, sie waren nur Ihres "Gesichtes" wegen dort. So konnten sie am naechsten Tag prahlen, dass sie im Theater bei der Auffuehung eines amerikanschen Musicals waren. Dazu eignete sich natuerlich das neueste Nokiasamsungsonyericsson Telefon um Bilder oder Filme davon zu zeigen.
Ich ging hingegen entnervt und zermuerbt nach zwei Stunden nach Hause. Ob ich noch einmal zu einer Theaterauffuehrung oder aehnlichem gehen wuerde, musste ich mir gruendlich ueberlegen...

7.12.07 09:37, kommentieren