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20. Juli 2007 Bierfest

Dieses Wochenende besuchte mich Daniel in meinem Tianjin-Exil. Deng Miao hatte sich schon auf den Weg zu Ihren Urlaub bei den Eltern in Hefei gemacht.

Zum Auftakt von Daniel´s Gastspiel besuchten wir das Tianjin Bierfestival. Mein Projektdirektor hatte angefragt, ob wir nicht auch hingehen wollten. Allerdings war er von vorneherein ebenso wenig von der original bayerischen Blaskappelle überzeugt. Wir wollten es probieren.

Operation gelungen, Patient tot. Das ist eine gute Beschreibung. Ich überlegte die ganze Zeit, was für eine schlimme Jugend diese armen Musiker wohl gehabt haben mussten. Sie waren jünger als wir, was hatten sie wohl gemacht, während wir früher auf dem Kiez unterwegs gewesen waren?

Das Bier war billig. Und günstig. Die versprochenen beiden Freibier, die im Eintrittspreis enthalten waren, kamen als lauwarme Dosenbier in der Plastiktüte geliefert. Und das gab in etwas das Niveau des Abends vor.

Wirklich spannend war die Volksfeststimmung außerhalb unseres Zeltes um die Grillstände herum. Diese genossen wir dann noch auf dem Heimweg.

 

4.8.07 01:57, kommentieren

21. Juli 2007 Chinesische Mauer

Wir hatten vor, zur chinesischen Mauer zu fahren und uns den Abschnitt im Norden Tianjins anzusehen.

Meine clevere Sekretärin in Shanghai war schon mal ganz erstaunt, dass „die Mauer so lang war“, bis Tianjin hatte sie ja nie erwartet ... !

Unsere Sekretärin in Tianjin tat sich anfangs ein wenig schwer, uns bei den Reisevorbereitungen zu unterstützen. Reisebüros würden die Tour nicht für zwei Leute anbieten. Erst auf mein Nachfragen erkundigte sie sich nach Details. Nein, Touren würden zurzeit gar nicht angeboten – es waren schließlich Ferien. Ich hätte gedacht, dass wäre gerade die Saison für Ausflüge. Nun, so konnte man sich irren.

Sie versuchte mich zu überzeugen, ein Taxi für den ganzen Tag zu buchen. Kosten wären 600 RMB. Zu teuer. Ich nahm noch einmal meinen „Lonely Planet“ zur Hand und fand heraus, dass es Busse für 22 RMB von der Long Distance Bus Station geben sollte. Ich legte ihr den Auszug vor und bat dort anzurufen, um nach den Abfahrtszeiten zu fragen. Tja, um 7.00 Uhr sollte es also losgehen.

Mit dem Taxi kamen wir am Busbahnhof an. Unübersichtlich war es. Wir wollten uns durchfragen und bekamen von einer Gruppe Taxi- und Rikschafahrern entsetzt erklärt, zur Mauer nach Huang Ya Guan fahre kein Bus! Wir könnten aber ein Taxi für den ganzen Tag buchen. Das Thema hatten wir doch schon einmal ... ?

Schließlich fanden wir den Schalter und unser Bus fuhr pünktlich ab. Stolze 3,5 Stunden brauchten wir mit dem klapprigen Bus für die 140 Km. Doch, es lohnte sich. Schon der erste Anblick war beeindruckend. Wir ließen uns mit einem Elektrokarren zu einem „ausgewiesenen Startpunkt“ bringen, von wo aus die Wanderung zurück ca. 1,5 Stunden dauern sollte.

Wir brauchten 2,5 Stunden – dem Wetter mussten wir heute ganz klar Tribut zollen. Die 35 Grad verlangten eine Verschnaufpause in jedem Wachturm. Schatten gab es sonst ja keinen auf der Mauer und regelmäßig trinken war auch notwendig. Unterwegs wurden wir mehrfach von und mit den Einheimischen fotografiert. Eine junge Frau lud uns aus Dankbarkeit sogar zu einem Stück Wassermelone ein.

Unser Bus sollte um 15.00 Uhr wieder zurück fahren. Solange mussten wir ausharren. Und wir mussten uns penetranter Taxifahrer erwehren, die uns partout in die nächste Kreisstadt fahren wollten und nicht verstanden oder verstehen wollten, dass wir nicht mit ihnen fahren wollten.

 

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27. Juli 2007 Größtes Restaurant Chinas

Mein Schwiegervater hatte den ganzen Tag davon geschwärmt, in was für ein tolles Restaurant er uns abends führen wollte. Weder Deng Miao noch ich verstanden seine Beschreibungen „envíronmental Restaurant“, mit Wasser und Bergen ... wir konnten und keinen Reim drauf machen.

Abends angekommen, verstanden wir es: im Grunde war das Restaurant ein riesiges Gewächshaus! Bäume, Palmen. Blumen wuchsen hier. Bäche und Teiche waren angelegt, an einer Felswand schoss ein Wasserfall herab. Das Basin mit den drei Krokodilen in der Mitte der Halle war etwas lieblos angelegt.
Insgesamt fehlte der Einrichtung ein einheitlicher Stil. Wahrscheinlich fiel das allerdings nur jemanden auf, der in der Branche tätig war J
In unserem Wohnzimmer großen Separee zählte in ganze 13 (!) verschiedene Wandbelege. Ich fand, das war zu viel des Guten!
Nichtsdestoweniger konnte ich nun stolz sagen, einmal in China´s größten Restaurant gegessen zu haben.

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28. Juli 2007 Neubau in Hefei

Heute stand ein kurzen Ausflug in Hefei´s Neustadtgebiet an. Wie so viele chinesische Städte gab es auch in Hefei eine Art Retortenstadt, wo die Stadtverwaltung neu angesiedelt wurde. Wir fuhren über die neu angelegte 10 spurige Straße nach Bin Hu Xin Qu, dem neuen Gebiet, der von einem künstlichen See in Größe der hamburger Außenalster dominiert wurde. Sogar einen Strand gab es, leider war jedoch der letzte Meter vorm Wasser betoniert. Das neue Grand Theater entstand gerade auf der anderen Seeseite. Ja, Hefei hatte ambitionierte Pläne. Bald wurde hier auch der neue Bahnhof der Hochgeschwindigkeitsstrecke von Beijing und Shanghai nach Südchina fertig werden. Hochhäuser entstanden, jedoch nicht vergleichbar hoch wie in Shanghai. Dafür gab es aber schon einmal Fachwerk-Imitate im 8. oder 10. Stockwerk.

Wohnviertel entstanden und sollten Mieter mit ihren wohl klingenden Namen anlocken. Da gab es „Berlin Spring“, „Happiness Club“, „Vienna Dream“, „Original Life“ oder „Tahiti Second“. Namen wie „Green Town Apartment“ waren da schon langweilig gegen. Meist waren die Namen übrigens das einzige, was in Englisch geschrieben war.

Die Wohnungen, die hier – und in den meisten Städten China´s – entstanden, waren kaum kleiner als 120 Quadratmeter. Zumindest war der Kaufpreis einer Wohnung (Rohbau) in Hefei mit 3.500 RMB vergleichsweise günstig. In Shanghai musste man um die 15.000 RMB berappen. Was aber sollte eine dreiköpfige Familie mit 160 Quadratmetern? Die Designer scheuten sich nicht und kreierten einfach zusätzliche Funktionen – Ankleidezimmer und ein Flügel durfte natürlich auch nicht fehlen.

4.8.07 02:06, kommentieren

28. Juli 2007 Frühstück?

Zunächst mussten wir heute Morgen mein Frühstück diskutieren. Es war heiß, draußen waren schon morgens um 8.30 Uhr weit über 30 Grad. Drinnen war es nicht wesentlich kühler, da man sich scheute die Klimaanlage anzuschalten.

Ich hatte durch die Hitze keinen Appetit, auch gar keinen richtigen Hunger und aß nur ein klein wenig.

Das aber musste diskutiert werden. Es war ja nicht gut, das Frühstück auszulassen. Ich ließ es doch aber gar nicht aus. Vielleicht müsse ich mir selber für den morgigen Tag Frühstück kaufen, wenn ich das angebotene Frühstück nicht mochte. Aber, ich mochte es doch. Meistens.

Wow, einerseits wurde mein Gewicht belächelt, andererseits wurde ich immer wieder zum Essen gezwungen. Meine Herren. Ich glaube, nach 15 Minuten trat Stille ein. Bis zum Mittagessen.

Wir waren bei Bekannten eingeladen und diese konnten nun nicht verstehen, warum ich kein Bier mehr trank. Trank ich doch. Aber nicht jetzt zum Mittag. Ob ich krank sei. Nein, ich mochte nun kein warmes Bier bei der Wärme zum Mittag.

Wir konnten diese Diskussion immerhin nach 10 Minuten beenden. Wir einigten uns darauf, dass ich ein Glas warmes Bier bekam, damit ich anstoßen konnte. Die Hälfte ließ ich dann stehen.

Manchmal vermisste ich eine gewisse Toleranz, die von mir stets erwartet wurde ...

 

4.8.07 02:07, kommentieren

03.08.2007 Grounded

Flug Tianjin – Shanghai. Warum zum Henker landen wir in Nanjing?

 

 

Es ist 17.00 Uhr und über Shanghai tobt offenbar ein Unwetter, daher sind wir ins 350 Km nordwestlich gelegene Nanjing umgeleitet worden. Ein Blick aus dem Fenster bestätigt, dass wir nicht die einzigen sind. Ich zähle 6 andere Maschinen. Wann es weiter geht? Ahnungslosigkeit.

 

 Wir sitzen unterdessen an Bord in unserer eigenen Suppe. Fliegt ein Flugzeug nicht, scheint die Klimaanlage nicht eingeschaltet. Ich bin froh, dass ich mein Buch im Handgepäck habe. Nach anderthalb Stunden die ersten Beschwerden. Ich sehe schon Tumulte vor meinem geistigen Auge. Doch es läuft verhalten ab. Die Menschen klettern die Gangway hinunter. Wir vertreten uns die Beine, atmen frische Luft. Angestellte der Fluglinie scheuchen uns immer wieder zusammen, damit wir uns nicht von dem Flugzeug entfernen. Rauchen wird verboten. Muss man sich sowieso vorstellen wir stehen, ohne Sicherheitspersonal, mitten auf einem Flughafen, zwischen den Flugzeugen. Zwei Herren haben sich auf ihre Zeitungen gesetzt, einer scheint tatsächlich zu meditieren.

 

Nach etwa einer Dreiviertelstunde kommt ein Flughafenbus und bringt uns zum Terminal. Etwas über eine halbe Stunde gibt man uns, vielleicht zum Abkühlen, bevor es wieder ins Flugzeug geht. Dort wird Essen serviert, es ist mittlerweile spät. Es gibt jedoch nichts warmes, nur einen Snack. Wir warten weiter, ohne dass uns jemand sagen kann, wie lange noch. Lautsprecherdurchsagen, sind inzwischen nur noch auf Chinesisch. Ich klingle jedes Mal und muss die Besatzung separat um Übersetzung bitten. Wir gehen wieder an die frische Luft.

 

 Um 21.30 Uhr heben wir endlich wieder ab. Schließlich landen wir um 22.15 Uhr mit etwa 5,5 Stunden in Shanghai. Nun heißt es, auf ein Taxi warten. Noch einmal dauert es eine knappe Stunde. Ich fühle mehr als erschlagen, als ich zuhause ankomme.

 

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Freitag, 17. August 2007

Wieder liegt eine Woche Tianjin hinter uns. Juhu. Gestern Abend  haben wir nach möglichen Wohngegenden gesehen. Well, das erste Viertel, dass von Taxifahrern als "gute Wohngegend" bezeichnet wurde, hätte mich fast zum Weinen gebracht. Vorort, armseelig. Allerdings trafen wir noch einen amerikanischen MBA Studenten, der ebenfalls eine Wohnung suchte und mich auch noch als Studenten einstufte. Ja! Ich sehe eben jung aus! Es überraschte uns, als er die Chinesin an seiner Seite mit den Worten "this is my wife Aggie" vorstellte. Nein, nicht nur wegen des bescheuerten Namens .... da sie etwa halb so groß wie er war, wirkte sie eher wie seine kleine, vielleicht 14 jährige Schwester!
Naja, wir waren dann noch etwas mehr in Stadtnähe, da wäre es schon besser zu wohnen. Allerdings empfanden wir die Wohnhäuser, die man uns in dem spontan aufgesuchten Makler empfahl, hatten doch zu sehr Ähnlichkeit mit einer Gefängnisanlage. Die Suche geht also weiter ...
Morgen wollen wir mal in die "TEDA" (Tianjin Economical Development Area) kucken. Bei meinem ersten Trip vor einigen Wochen empfand ich die Gegend als nooooch langweiliger als den Rest der Stadt. Wir haben aber schöne Bilder von netten Parkanlagen entlang der Uferpromenaden gesehen. Hoffen wir, dass sie nicht nur wieder die Größe eines Vorgartens haben ....
Ich freue mich aber ziemlich auf die Fahrt mit der Straßenbahn dort!
 
 
 

1 Kommentar 18.8.07 15:34, kommentieren