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Liquidität ...

Finanziell gab es einen Zeitpunkt, an dem ich mich sorgte. Deng Miao machte mich stets unruhig, war der Meinung, wir hätten nicht genug Geld. Das war natürlich Unsinn.

Fakt war, dass wir alles in bar zu bezahlen hatten. Überweisungen waren in China unüblich und mit erheblichen Aufwand verbungen. Die Banken waren wiederum wie die Ubahnen - stets hoffnungslos überfüllt. An den Geldautomaten waren nur 2.000 RMB zu bekommen. Größere Geldsummen erforderten also eine Zeit, die wir beide nicht so recht hatten. Daher war ich froh, als ich mein Gehalt ausgezahlt bekam. In bar natürlich. Somit hatten wir erst einmal genug für sämtliche Anzahlungen und konnten auch meine angereiste Familie mit Taschengeld versorgen.

Irgendwie hatte Deng Miao aber nicht so richtig zugehört, als ich zu ihr sagte, wir sollten das Geld nicht auf das Konto einzahlen, sondern daheim behalten.

Am nächsten Abend verkündete sie mir, sie habe sich mit unserem Vermieter getroffen und die Miete bezahlt.

Ich fiel einmal mehr aus allen Wolken. Wir hatten unsere Miete alle drei Monate zu bezahlen und die nächste Zahlung war erst in 6 Wochen fällig. Deng Miao hatte sich aber dazu entschlossen, da unsere Vermieterin keinen Unterhalt von ihrer Tochter bekommen hatte. War das nicht herzzerreißend ... !?

Ich war sauer. Unf gleichzeitig froh, dass wir der Bitte unserer Vermieterin nicht nachgekommen waren unsere Miete alle 6 Monate zu bezahlen!

1 Kommentar 13.5.07 05:03, kommentieren

Verzweiflung ...

Unser liebes Foto-Studio brachte mich Nahe an den Rand der Verzweiflung. Als ich zum Abholen unserer Alben in die Huaihai Lu kam, musste ich feststellen, dass von unserer Vereinbarung wieder einmal abgewichen worden war. Einmal mehr fragte ich mich, warum wir vor 2 Wochen so lange Zeit mit der Absprache verbracht hatten, wenn doch wieder alles anders war.

Als erstes entdeckte ich doch 2 Doppelseiten in dem großen Album (welches wir behalten würden), die wir nicht mit dem Designer besprochen hatte. Blumendesign bestimmten diese! Und ich wunderte mich, dass die Bilder doppelt waren und auf anderen Seiten vorkamen. Auch stimmte die festgelegte Reihenfolge nicht.

Bei den beiden kleinen Alben (welche für unsere Eltern bestimmt waren), passte gar nichts. In den Alben waren unterschiedliche Bilder und auch noch wild durcheinander.

Ich war nur mit meiner Familie in Foto-Studio, mir platzte fast der Kragen und somit rief ich Deng Miao im Büro an, damit sie übersetzen würde.

Es stellte sich heraus, dass in dem großen Album 10 Doppelseiten enthalten waren - vertraglich standen uns nur 8 Doppelseiten zu. Warum nun 2 mehr drin waren, war eines der großen Rätsel hier im Lande. Hätte man das von vorneherein gewusst, hätte man sicherlich die Bilder anderes angeordnet, anstatt doppelte abzudrucken.

Letztlich resignierte ich und akzeptierte auch die geänderte Reihenfolge. Schließlich wollten wir in wenigen Tagen feiern und da sollte das Album fertig sein.

Dass in die beiden kleinen Alben nur 20 Bilder aufgenommen werden können, anstatt der 25 die uns zustanden, hätte ich auch gern vorher gewusst. Dann wäre es möglich gewesen, diese auch entsprechend zu layoutet. Nun bestand ich lediglich darauf, die "Titelseiten" entsprechend anzuordnen.

Einmal mehr hatte der "Kunde König" verloren ...

13.5.07 05:19, kommentieren

Odyssee ...

Irgendwie mussten wir ja nun auch von Shanghai nach Hefei kommen, um in Deng Miao´s Heimatstadt zu heiraten. Fliegen wollte Deng Miao nicht, um Geld zu sparen. Meine Familie willigte ein, mit dem Zug zu fahren uns so wollten wir - zu acht - mit dem Nachtzug fahren. Mit dem hatten wir in der Vergangenheit gute Erfahrungen gemacht. Somit brauchten wir nur noch Fahrkarten - aber, genau die würde vor den Mai-Ferien schwierig werden.

Donnerstag (Vormittag): Mein Büro fragt eine Reisebüro an, uns die Tickets für den Zug um 21.00 Uhr am 30. April zu besorgen.

Donnerstag (Nachmittag): Das Reisebüro setzt sich mit Deng Miao in Verbindung, um die Anfrage zu bestätigen. Es weist darauf hin, dass die früheren Züge um 21.00 bzw. 23.00 Uhr nicht mehr im Fahrplan stehen, sondern ein Zug dafür nun um 21.30 Uhr fährt. Zusage des Reisebüros, die Karten am Samstag zu uns nach Hause zu liefern.

Samstag: Ich bitte Deng Miao, im Reisebüro nachzufragen, wann die Fahrkarten heute geliefert werden, um nicht den ganzen Tag wartend daheim zu sitzen. Deng Miao wird ausgelacht - SO schnell könnten sie die Tickets gar nicht liefern, das wird heute nichts.

Sonntag: Rücksprache mit den Reisebüro. Kein Problem, sie "versprechen", die Fahrkarten zu besorgen, brauchen aber Zeit, weil wegen der Mai-Ferien viel los sei. Die Karten seien sehr teuer, da der Zug nicht in Hefei die Endstation habe, sondern bis Anqing fahre. Der Zusammenhang erschließt sich mir nicht.

Dienstag: Das Reisebüro kündigt an, die Fahrkarten um 19.00 Uhr bei uns abzuliefern. Nach Rückruf unsererseits gegen 19.30 Uhr versichert man uns, der Kurier sei unterwegs. Nach erneuten Rückruf um 20.30 Uhr erklärt man uns, noch gar nicht alle Karten zu haben - nicht alle Fahrkarten seien Schlafplätze, einige Karten seien Sitzplätze.

Donnerstag: Das Reisebüro eröffnet uns, der Nachtzug halte nicht in Hefei, sondern fahre bis Anqing durch. Man habe lediglich Sitzplätze für den Zug um 15.00 Uhr von Shanghai nach Hefei reservieren können. Deng Miao und ich haben Streit, ich sage, wir sollen nach Hefei fliegen. Nach Absprache mit Daniel einigen wir uns, die Zugtickets zu nehmen. Laut Reisebüro dauert die Fahrt nach neuem Fahrplan nur 5 - 6 Stunden.

Sonntag: Deng Miao´s Vater ruft an. Sagt, der Zug braucht 9 Stunden. Ankunft sei um 0.00 Uhr in Hefei. Aufregung, Ärger, Wut. Anruf beim Reisebüro. Man beharrt auf der angegebenen Fahrtzeit von 5 - 6 Stunden.

Montag: 15.00 Uhr Abfahrt. Der Zug ist überfüllt mit Arbeitern, die in eine der armen Provinzen nach Hause fahren. Meinem Bruder Niki wird im Gedränge die Geldbörse gestohlen. Ärgerlich, dass der dt. Personalausweis weg ist, zum Glück kommen aber nur 150 RMB abhanden. Der Zug fährt merkwürdige Umwege - über Wuhu um Süden der Anhui-Provinz statt auf direktem Wege von Nanjing nach Hefei. Mein Familie hält durch, lässt aber Anzeichen von Unlustigkeit, Verzweiflung, Genervtheit erkennen.

Dienstag: 0.10 Uhr Ankunft. Deng Miao´s Eltern empfangen uns in Hefei.

1 Kommentar 13.5.07 06:13, kommentieren

Hochzeit in Hefei ... Die Fahrt ...

Endlich war es soweit - 2. Mai, unsere Hochzeit. Ich sollte Deng Miao nach chinesischer Tradition bei Ihren Eltern abholen. Da wir entgegen der Tradition ja abends feiern würden, sollten wir um 16.00 Uhr eintreffen.

Wir waren bereit! Zu siebt standen wir in der Lobby unseres Hotels, als Daniel verkündete, meine Braut habe panisch angerufen. Wir sollten eine halbe Stunde später kommen, da es mit Kleid und Make Up noch etwas dauerte.

Schließlich machten wir uns auf den Weg. Meine geniale Idee war es gewesen, nicht einfach mit zwei Taxis vorzufahren - nein, ich wollte mit einem Konvoi aus Boom-Boom-Boom´s vorfahren! Somit hielten wir sechs der Moped-Taxis an. Es war gar nicht so einfach, sechs von ihnen aufzutreiben und den Fahrern gleich zu machen, was wir wollten. Die argumentierten immer, sie könnten doch vier Leute in ihrem Gefährt unterbringen und somit würden zwei Mopeds ausreichen.

Unsere Halsbrecherische Fahrt begann! Etwas mehr als 10 Minuten kurvten, ja flogen wir geradezu, durch Hefei. Unsere Ankunft sah jedoch weder die Braut noch jemand anderes. Das kann passieren, hauptsache, wir hatten unseren Spaß!

1 Kommentar 27.5.07 08:14, kommentieren

Hochzeit in Hefei ... Eintreffen bei der Braut

Die Wohnung war schon rappelvoll mit Gästen aus der Familie. Ich kämpfte mich zu meiner Braut hervor, die auf dem Bett in ihrem alten Kinderzimmer saß und auf mich wartete. Ich fiel vor ihr auf die Knie (nein, ich bin nicht gestolpert!) und streifte ihr den Ring über.

Anschließend folgte eine Fotosession in der Wohnung. Die erste des heutigen Tages. Schließlich hatten wir uns für diesen großartigen Tag alle schick gemacht. Deng Miao´s Großvater hatte extra seine Unterbüxen soweit hochgezogen, dass sie oben aus der Hose heraus kuckten. Auch sein Hemd hatte er mit Bedacht ausgewählt und ein bereits erprobtes übergestreift. Man erkannte es an dem durchgewetzen Kragen.

Dann machten wir uns auf den Weg. Zunächst dachten wir, es würde nun zum Feiern ins Restaurant gehen. Aber, dafür war es noch zu früh. Wir mussten Zeit überbrücken. Somit wúrde draußen vor der Tür die nächste Fotosession eingeschoben.

Auch hiernach ging es noch nicht ins Restaurant. Wir würden nun erst einmal zum Sheng Li Guangchang, einer Plaza in der Nähe, um weitere Fotos zu machen.

Hier stießen dann auch der in Hefei engagierten Fotograf und der Kameramann zu uns. Gemäß Ihrer Aufgabenstellung machten sie auch Fotos von uns - vorausgesetzt, wir zwangen sie dazu.

Als wir nun endlich ins Restaurant gingen - es waren nur etwas mehr als 5 Minuten Fußweg - trottete der Kameramann hinter uns her, bis wir ihn baten, doch vorn weg zu gehen und einige Aufnahmen von uns zu machen.

 

1 Kommentar 27.5.07 08:29, kommentieren

Hochzeit in Hefei ... Die Feier ...

Endlich waren wir dort angekommen, wo wir feiern wollten. Doch, nichts überstürtzen - erst mussten wieder einige Fotos gemacht werden, sowohl drinnen, als auch draußen!

Eine Zeit des Wartens begann. Es war noch über eine Stunde, bis die Gäste zum Abendessen eintreffen sollten. Meine Familie wurde unterdessen weggesperrt. So fasste sie es zumindest auf, dabei platzierte man sie lediglich in einem so china-typischen Separee. Meinem Bruder unterlief dabei ein Fehler, als er zwei Cola bestellte, er vergaß, dass man die Zwei in China mit Mittelfinger und Zeigefinger symbolisierte. Da er Daumen und Zeigefinger hochhielt, wurden acht Dosen Cola gebracht.

Für uns als Brautpaar schien die Zeit nicht zu vergehen. Wir standen am Eingang und begrüßten alle Gäste und posierten mit jedem mehrfach für Fotos. Im Saal wurde mittlerweile das Essen aufgetischt und mir hing der Magen in den Knien. Mittag hatte ich nämlich nicht gehabt.

Dann war endlich auch der letzte Gast angekommen. Es war etwa 19.00 und mit jeweils einem Kind an der Hand durften wir nun auch in den Saal einschreiten und an unserer Feier teilnehmen. Es folgten einige Reden und ich hoffte, etwas zu Essen zu mir nehmen zu können.

Entspannt wurde der Abend jedoch nicht. An unserem Tisch prosteten uns alle Reih um zu. Nach ein paar Happen mussten wir auch schon wieder aufstehen und von Tisch zu Tisch gehen, um der Gesellschaft zu zu prosten und uns für ihr Kommen zu bedanken. Dabei wurde stets ein Glas Rotwein geleert.

Ursprünglich war die Rede von 50 Gästen gewesen, tatsächlich waren es etwas über 70. Als wir alle Tische abgeklappert hatten, machte ich mir wieder Hoffnung auf das Abendessen. Ausgesehen hatte es sehr gut, den Geschmack hatte ich noch nicht ausgiebig testen können. Doch, auch jetzt sollte ich nicht dazu kommen - nacheinander kamen die Gäste jetzt zu uns an den Tisch, um mit uns anzustoßen.

Dann war schlagartig alles vorbei. Es war 20.50 Uhr und die ersten Gäste verlie0en die Feier. Um 21.00 Uhr war der Saal praktisch leer. Meine Brüder sahen mich staunend an - meine Prophezeiung war in Erfüllung gegangen.

27.5.07 08:56, kommentieren

Die Hochzeitsnacht ...

Oh, nein ... keine Angst! Ich werde hier keine schmutzigen Details veröffentlichen. Aber, schnell überlegen ... 21.00 Uhr war ja auch noch zu früh, um tatsächlich "heim" zu gehen.

Wir beschlossen also, in die "Revolutionary" Bar zu gehen. Dies war quasi der einzige Club in Hefei, in dem man es als "Westler" gut aushielt. Mein Onkel und meine Tante, wurden einfach gezwungen mitzukommen.

Neben einer Menge Bier bestellte mein Bruder mir eine Portion Zwiebelringe, die mir nach meiner mißglückten Nahrungsaufnahme Leben einflößten.

Meine Braut legte kurzfristig mit zwei Kumpels eine Jam-Session hin. Sie hatten vor ein paar Jahren zusammen in einer Band gespielt. Liu Han und Hao Xiang spielten Bas und Gitarre, während Deng Miao sich hinter die Drum setzte - in ihrem pinken Hochzeitskleid!

Tief beeindruckt lauschten wir und verharrten in Ehrfurcht. Gegen 0.00 Uhr erlöste ich meinen Onkel und meine Tante und wir nahmen sie mit dem Taxi mit. Nachdem wir sie an ihrem Hotel abgesetzt hatten, fuhren wir weiter zu meinen Schwiegereltern. Dort mussten wir unsere Sachen abholen, da wir die Nacht in einem anderen Hotel verbringen würden.

Keine Ahnung, was wir dort eigentlich alles gemacht hatten - eine Stunde waren wir noch dort, bis sie uns ins Hotel fuhren.

Zur Erleichterung meiner Familie sparten wir uns am nächsten Tag die Fahrt mit der Bahn zurück nach Shanghai und flogen. Ungläubig stellten sie fest, dass wir nur 45 Minuten brauchten ...

 

1 Kommentar 27.5.07 09:25, kommentieren