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Photosession ...

Es kam, wie es kommen musste – Deng Miao wurde zuerst in ein Brautkleid gesteckt und geschminkt. Die nächste halbe Stunde sah ich sie also nicht und war froh, etwas zum Lesen eingesteckt zu haben.

Auf Drängen des Fotostudios hatte ich ein paar weiße Socken einstecken müssen. Mir war schon vorher klar gewesen, dass ich diese nicht anziehen würde, nun sah ich aber, was geplant war – die Herren wurden in zwei Gruppen aufgeteilt, eine bekam schwarze Fracks, die andere Gruppe zog weiße Fracks an. Ich machte umgehend klar, dass ich weiß hässlich fand und dies definitiv nicht anziehen würde.

Auch an der schwarzen Kombination hatte ich etwas auszusetzen. Da ich gelesen hatte, dass nur Dienstpersonal (Kellner, Butler) eine schwarze Fliege trugen, bestand ich auf einer weißen Fliege. Es dauerte zwar, dies durchzusetzen, letztlich war ich aber erfolgreich.

Fünf verschiedene Kostüme konnte Deng Miao sich aussuchen für die Fotos. Mir reichte man schlicht und ergreifend ein Sakko, was zu ihrer Auswahl zu passen schien. Weitgehend ein ruhiger Tag also für mich, während Deng Miao´s Make Up und Haar laufend geändert und überarbeitet wurde.

 Deng Miao wurde vom Personal vor Ort mit „Minnie“ angesprochen. Ich fragte mich, ob man mich dann für „Micley Mouse“ hielte. Erst Abends erfuhr ich, dass sie „Mei Nü“ gesagt hatten – „hübsches Fräulein“ ... Wir posierten vor verschiedenen Hintergründen und wunderten uns, wie die Fotos aussehen würden. Die verlangten Haltungen erschienen uns dermaßen unnatürlich, dass kaum etwas anständiges dabei heraus kommen konnte. Verkrampft und unbequem waren noch zurückhaltende Beschreibungen.

Wir beendeten den Indoor Termin im Studio und hatten zum Abschluss noch eine Reihe Außenaufnahmen im Park gegenüber unseres Compounds. Eine Stunde lang froren wir dort, bis es zu dunkel war und wir frei waren, wieder heim zu gehen ...

1.4.07 09:04, kommentieren

Dokumente ...

Seit Anfang Februar ist es leider nicht mehr so einfach möglich, die von den chinesischen Behörden verlangte "Konsularbescheinigung" zu erhalten, aus der hervor geht, dass ich ledig bin. (Das ist quasi das Einzige, was die chinesischen Behörden interessiert.)

Man brauchte bis dahin nur einen Auszug aus dem Melderegister. Nun wird verlangt, das Ehefähigkeitszeugnis des dt. Standesamtes vorzulegen. Dafür ist ein Stapel chinesischer Dokumente notwendig, anhand derer in Deutschland geprüft wird, ob wir verwandt sind.

Ehrlich gesagt, würde dafür schon ein Blick in unsere Gesichter ausreichen, aber ... na gut ...

Unter anderem sollen wir die Geburtsurkunde von Deng Miao vorlegen. Aber: erst seit 2001 werden in China Geburtsurkunden ausgestellt! Rueckwirkend koennen Geburtsurkunden noch bis 1996 ausgestellt werden. Ein wenig älter ist sie dann ja schon ...

Ein Bekannter beschrieb es so: "Normalerweise erhielten die Eltern eine Geburtsbescheinigung die bei der lokalen Polizeibehoerde abgegeben werden musste um den Hukou zu erhalten. Die Polizei war aufgefordert diese beim Krankenhaus wieder abzugeben."

Deng Miao´s Eltern haben es immerhin geschafft, eine Geburtsbescheinigung aufzutreiben. Problem: Deng Miao wurde als "Deng Jin Jin" geboren und erst im Altern von 5 oder 6 Jahren in "Deng Miao" umbenannt. Somit ist die Aufgabe für die nächsten Tage, Papiere zu beschaffen, die Belegen, dass Deng Miao und Deng Jin Jin identisch sind ...

1 Kommentar 6.4.07 04:09, kommentieren

Desaster ...

So, die Fotos sind fertig. Letzte Woche hatten wir einen Termin, um 25 Stück auszuwählen, die ins Album sollen.

Für mich waren die meisten in Ordnung. Deng Miao gefielen sie jedoch nicht. Sie beschwerte sich, kaum eines der Bilder sehe aus, wie sie selbst. Schließlich habe man ihr die Haare so merkwürdig zurecht gemacht.

Mir war es ein Rätsel, warum sie nicht gegen an gegangen war. Man habe ihr halt gut zu geredete. Dann habe sie jetzt auch keinen Grund zum Jammern.

Es dauerte lange - ziemlich lange - bis wir uns letztlich auf die Bilder geeinigt hatten.

Wir baten um ein simples Layout, gaben präzise die ersten beiden Seite vor und wollten weder Blumenhintergründe noch schmalzige Sprüchen in schlechten Englisch in unserem Album haben.

Als wir dann vergangenen Samstag das Layout begutachteten, fielen wir beide aus den Socken - ein Desaster! Sehr wohl Blumen, zwar keine Spruchbänder, aber eine völlig miserable Bildkomposition.

Meine Fresse ... !

Letztlich saßen wir bis in den Nachmittag mit dem Designer zusammen und haben das Layout gemeinsam erstellt. Würde ich den Stundensatz zu Grunde legen, mit dem mein Chef mich verkauft, hätten wir das Album jetzt kostenlos bekommen müssen.

Einmal mehr extrem unprofessionell und unkoordiniert.

10.4.07 13:37, kommentieren