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Der Antrag ...

"Willst Du mich heiraten?"

"Mhm. Japp. Kann ich jetzt weiterschlafen?"

Vielleicht war es doch keine so gute Idee, sie eine Minute nach Mitternacht zu wecken, zum Geburtstag zu gratulieren und um ihre Hand gleichzeitig anzuhalten ... Wer ahnt denn schon, dass jemand eine Stunde, nachdem sie ins Bett gegangen ist, schon in so einer Tiefschlafphase steckt ?

1 Kommentar 9.12.06 02:36, kommentieren

Der Plan ...

Als sie am naechsten Morgen aufwachte, sah sie mich verschlafen an.

"Ich meine mich zu errinnern, Du haettest mich letzte Nacht gefragt, ob ich Dich heiraten moechte ... "

"Ja!"

"Und was habe ich geantwortet ... ?"

Ich verfluchte mich, dass ich so vorgegangen war. Sicherlich, ein Romantiker war ich nie. Aber so war es doch reichlich unspektakulaer.

Heute war ihr Geburtstag und sie hatte sich gewuenscht, auf dem "Oriental Pearl Tower" (Shanghais Fernsehturm) zu Mittag zu essen. Mein Plan war es gewesen, sie dort in einer wunderbaren Umgebung mit dem Blick auf Shanghai, zu fragen.

Ich hatte befuerchtet, dort nicht den Mut aufzubringen und daher meinen Antrag um 12 Stunden vorgezogen.

Wie sich heraus stellte, war die Entscheidung dennoch richtig gewesen! Als wir am Oriental Pearl Tower ankamen, entschied sie, es sei hier zu teuer und sie wolle hier nichts essen. Na toll. Stattdessen gingen wir also zu einem 08/15 Koreaner und assen dort. Hier waere auf gar keinen Fall ein Antrag zu machen gewesen ...

12.12.06 04:44, kommentieren

Reine Formalie ...

Mein Antrag war im Grunde nur eine reine Formalie. Schon laenger hatten wir eine Hochzeit diskutiert. Wir hatten schon Ueberlegungen zu einem geeigneten Restaurant in ihrer Heimatstadt Hefei angestellt. Auf Locations fuer die in China typischen Hochzeitsfotos hatten wir uns geeinigt - sie sollten in der Naehe unserer Wohnung am Suzhou Creek entstehen. Die groben Daten fuer die Feiern in Hefei und Shanghai wurden festgelegt.

Momentan ueberprueft der Vater einer Freundin das geplante Datum. Erstaunlich vieles hat in China eben doch noch mit Aberglauben zu tun. Da sollte die Hochzeit natuerlich an einem "gluecklichen Datum" stattfinden. Mein Freundin - jetzt "Verlobte" - sagte etwas davon, dass der Vater, der arme alte Mann, fuer den ich vorige Woche noch Medikamente gekauft habe, wuerde auf einem einsamen Berg umher irren und von einem "Meister fuer Astrologie" das Datum bestimmen lassen. Mir sollte das Recht sein ...

Einen Schreck jagte ich ihr ein, als ich erklaerte, dass ich Shanghai natuerlich abends - mit einem Buffet - gefeiert wuerde. Um Himmels Willen, eine Hochzeitsfeier am Abend bedeutete, man wuerde zwe Mal heiraten!

Aber, ganz ruhig ... das war ja nur eine "Nachfeier". Die eigentliche Feier wuerde ja ganz chinesisch in Hefei stattfinden. Von mir aus aus mittags. Dann koennten die Gaeste nachmittags alle ihren Rausch ausschlafen.

Nun wuerden wir noch gewissen Details (Ausloese, Gaesteliste) mit den Eltern diskutieren muessen ...

1 Kommentar 14.12.06 08:56, kommentieren

Die Eltern ...

In China waren die Eltern häufig noch sehr stark involviert in Hochzeit. Eine Frau sollte mit 30 Jahren verheiratet sein, hatte sie mit 26 Jahren keinen Freund, wurden die Eltern unruhig. Dass die Eltern dann "Dates" mit möglichen Kandidaten arrangierten, war nicht ungewöhnlich. Am People´s Square in Shanghai etwa traf man am Wochenende Eltern, die auf "Flyern" ihren Nachwuchs anpriesen und auf anderen "Flyern" geeignete Counterparts suchten.

Wollte das Paar dann heiraten, trafen sich die Eltern, um die Konditionen auszuhandeln. In Shanghai musste der Bräutigam (bzw. seine Familie) meist ein Apartment für das junge Paar kaufen. Die Eltern der Braut verlangten oft eine "Auslöse", Geschenke oder Geld.

Meine Freundin hatte mir erklärt, ihre Eltern würden kein Apartment für sie verlangen. Aber, über andere Geschenke sollten wir uns Gedanken machen. Auf dem Lande konnte das schon einmal ein Schwein oder Hühner sein. So hatten etwa die Elter ihrer Cousine ein Schwein bekommen.

Ich meldete dies an meine Eltern.

Wie sich später heraus stellte, war das Geschenk ein SPAR-Schwein gewesen. Gefüllt mit viel Geld. Mein Freundin erklärte ausserdem, ihre Eltern seien mit der Hochzeit einverstanden. Auf Geschenke würden sie verzichten.

Wieder meldete ich dies meinen Eltern.

Es folgte prompt die Beschwerde, wie sie nun wohl das Schwein wieder loswerden sollten ...

16.12.06 04:06, kommentieren