Praktikantenalarm!

Yeah! Geschafft! Zum 1. Maerz bekomme ich endlich meinen eigenen Praktikanten! Ja, es hat lange gedauert ... aber, nun kann ich mich raechen ... Nein. Gibt keinen Grund zur Rache, ich bin ja stets gut behandelt worden. Und er ist auch nicht fuer mich da, sondern fuer das Projekt. Trotzdem habe ich es angeregt und bin auch dabei, die Einstellung in der Firma umzusetzen (Vertragsausarbeitung, Anmeldung in Stuttgart und Shanghai, Email-Adresse usw.) Ich muss sagen, es macht Spass und ein klein wenig bin ich auch stolz. Habe ihm glaube ich ganz gute Konditionen ausgehandelt - jedenfalls bekam er bei seinem Vorstellungsgespraech gestern grosse Augen, als er von seinem Gehalt hoerte. Naja, er war schon ueberwaetigt, dass wir ihm den Flug bezahlt haben (aus dem Grossraum Shanghai nach Tianjin). Und er war froh, dass ich ihm in der Email beschrieben hatte, wie ein E-Ticket funktionierte. Er scheint in Ordnung zu sein, mein Projektdirektor findet ihn "kernig", er stellte sich selbst als "Bauernsohn aus dem Emsland" vor und er hat in Hefei einen Chinesischkurs gemacht. Hefei ist ja Dengmiao's Heimatstadt und in der Bar, in der wir die After-Party unserer Hochzeit gefeiert haben, war er auch frueher Stammgast.

15.1.08 09:54, kommentieren

Kurze Weihnachten

Da ich einen lokalen Vertrag habe, zählen die Weihnachtstage für mich nicht als Feiertage. Daher hatte ich nur zwei Tage Urlaub genommen und war am zweiten Weihnachtstag wieder im Büro. Was hatte ich nur getan ... ? Tianjin hatte mal wieder fiesen Nebel zu bieten. In unserem Stadtteil war es schon neblig, jedoch nicht so, dass es wie in der vergangen Woche schien, jemand habe ein Bettlaken vor das Fenster gehängt. Letzten Donnerstag musste ich abends aus dem Wagen aussteigen, und dem Fahrer zum Teil den Weg weisen! Offenbar trafen sich die kalte trockene Luft aus dem Norden von der Gobi Wüste und die feuchte, wärmere Luft der Bohai See genau über Tianjin und verursachten diesen Hexenkessel. Mitunter hatte ich Angst. Auch wenn unser Fahrer vorsichtig fuhr, was von hinten noch kam, ließ sich ja nicht beeinflussen. Dementsprechend sahen wir auf unseren Weg über den äußeren Autobahnring eine ganze Reihe schwerer Verkehrsunfälle. Zu meinem Erstaunen einmal mehr, war jedoch an keinem der Unfallorte Polizei, Rettungswagen oder Feuerwehr im Einsatz. Ich schwor mir, das nächste Mal zuhause zu bleiben, wenn sich die Wetterlage schon dort erkennen ließe.

31.12.07 03:52, kommentieren

Heiligabend

Um 15.00 Uhr sollte der Gottesdienst in der alten französischen Xikai Kirche in der Innenstand Tianjins losgehen. Die Tatsache, dass es ein chinesisch sprachiger Gottesdienst war, hielt uns nicht ab. Ich war erstaunt, dass die Kirche dann brechend voll war – außer mir alles Chinesen. Ich nehme an, dass dies eine ganz normale katholische Messe war, als Protestant wohnten man solchen ja nicht häufig bei. Immerhin drei Weihnachtslieder erkannte ich sogar! Anschließend bummelten wir durch die Stadt, um ein wenig Zeit totzuschlagen. Die Geschäfte waren offen, da es sich in China ja um keinen offiziellen Feiertag handelte. Der Begriff „Weihnachtseinkäufe“ bekam so eine ganz andere Dimension. Ich stellte fest, dass Weihnachten aber seit 2004 deutlich populärer wurde. Inzwischen bot jeder Supermarkt Dekorationen und Plastiktannenbäume an. Weihnachtsmusik wurde gespielt und Verkäufer trugen Weihnachtsmannmützen. Ich nehme an, dies wurde von der Wirtschaft gesteuert, die ihren Vorteil hierin sahen – ähnlich wie man sich in Deutschland vor 10 Jahren kaum um den Valentinstag oder Halloween gekümmert hatte. Wo sich aber Profit machen ließ, wurde geworben. Nach einem Weihnachtsgeschmack Kaffee Latté im guten alten Starbucks, brachen wir dann endlich ins Restaurant auf. Wir waren mit Freunden zum Abendessen verabredet, meine Wunschlocation war leider nicht angenommen worden und wir trafen uns auch deutlich später, als es mir lieb gewesen wäre. Aber, wir wollten nun ja nicht den Tag vorher als Spielverderber da stehen und gingen natürlich trotzdem mit. Typisch amerikanisches Weihnachtessen wurde serviert, wir wurden mehr als satt, obwohl meine Frau und ich uns schon ein wenig über den Service wunderten. Schließlich waren wir gegen 23 Uhr daheim und veranstalteten unsere „Bescherung“. Da ich fast alle Geschenke selbst ausgesucht hatte, die ich bekam, hielt sich meine Überraschung in Grenzen. Meine Familie rief dann gemäß Vorschlag von mir an, bevor sie in Hamburg abends auseinander gingen. Somit klingelte am ersten Weihnachtstag morgens um 7.30 Uhr chinesischer Zeit das Telefon. In Hamburg dagegen herrschte um 0.30 Uhr zur selben Zeit dank einiger Tequila und Caipirinha ausgelassene Stimmung ...

 

31.12.07 03:51, kommentieren

Adventszeit in Tianjin

Gemäß langjähriger – eigentlich vierjähriger – Tradition der Familie Dengschulz stellten wir unseren Tannenbaum bereits am ersten Advent auf. Das hatte zwei Gründe. Zum Einen war er die einzige Weihnachtdekoration, die wir hatten. Wenn ich schon in einem Land lebte, welches Weihnachten eigentlich nicht feierte, brauchte ich wenigstens daheim die Erinnerung an die Weihnachtszeit. Zum Anderen fand ich es unsinnig, den Baum nur knapp zwei Wochen stehen zu haben J
Unser Plastikkamerad feierte nunmehr das vierte Jahr mit uns, und war noch immer tadellos. Für acht Euro hatten wir ihn gekauft. Da leider beim Umzug der Fuß abhanden gekommen ist, mussten wir etwas improvisieren, was aber ein Klacks war. Soweit also in unseren Gemächern.
Mitte Dezember ging es dann zum „Tianjin Expat Christmas Ball“ im Sheraton Hotel. Eine nette Veranstaltung mit lecker Essen. Meiner Frau musste ich mitten drin einen kurzen Crashkurs im der Verwendung von Messer und Gabel verpassen. Ich bat sie, etwas langsamer zu essen und das Fleisch kleiner zu schneiden, anstatt es aufzuspießen und einfach abzubeißen. Bier und Wein war lustigerweise im Preis inbegriffen, Saft musste man jedoch extra bezahlen. Auf dieser Veranstaltung waren etwa so viele Ausländer verschiedener Nationen, wie sich Deutsche monatlich in Shanghai zum Kammertreffen der Auslandshandelskammer trafen. Tianjin war halt nicht der Hotspot für Ausländer. Ich hatte die Hoffnung gehabt, neue Kontakte zu knüpfen. Diese zerschlug sich jedoch, da das Durchschnittsalter der Anwesenden etwas bei 50 Jahren lag.
Immerhin hatten wir dieses Jahr keinen Mangel an Weihmachtsgebäck. Sowohl die Frau meines Projektdirektors, als auch unserer Bauherr brachten Lebkuchen und Christstollen in rauen Mengen aus Deutschland mit! Alles Markenware – Milka, Bahlsen etc. Hätte ich es selber eingekauft, wäre ich kaum über Aldi-Handelsmarken hinaus gekommen. Es war soviel, dass ich den Tag nach Weihnachten auf der Baustelle darauf verzichtete, mittags in die Kantine zu gehen und mein Lunch stattdessen aus Lebkuchen bestritt ...

1 Kommentar 31.12.07 03:50, kommentieren

15./16. Dezember 2007

Die große Stadt hatte gerufen. Mein Kumpel Hartmut in Beijing hatte zu seinem 40. Geburtstag eingeladen. Dem Ruf sind wir gern gefolgt.
Samstagmorgen fiel mal wieder Deng Miao´s Deutschkurs aus. Sie hatte ihre Jacke schon in der Hand, als der Anruf kam. Insofern haben wir spontan umgeplant. Haben uns fertig gemacht und sind zu Tianjin´s Behelfsbahnhof gefahren. Ich hoffe, der neue bzw. renovierte Bahnhof wird bald eröffnen ... In Hand umdrehen hatten wir Fahrkarten, haben die herum lungernden Händler missachtet, die Deng Miao Provision versprachen, wenn sie den Laowai* in ihr Geschäft ... Taxi ... Restaurant ... führen würde. Mit dem neuen Hochgeschwindigkeitszug - der es auf der alten Strecke auf atemberaubende 160 Km/h brachte erreichten wir Beijing schon nach einer Stunde. Wir machten uns auf den Weg, um ein wenig Weihnachtsshopping in der Hauptstadt zu erledigen. Ich suchte Bücher! Aus Tianjin kommend hatten wir wirklich das Gefühl, plötzlich in einer Großstadt zu sein - sooo viele Menschen! Wir fanden ein neues, einfaches Café, in dem wir dann unsere plattgelaufenen Füße zur Erholung bringen konnten. Ich hatte die Chance, lecker Kuchen zu essen. Das war auch bitter nötig, da Deng Miao mir meine Nudeln so scharf gewürzt hatte, dass ich kaum die Hälfte davon hatte essen können.
Um 19.00 Uhr sollte es bei Hartmut im angemieteten "Cheers" losgehen. Bevor wir eintraten, statteten wir dem gegenüber liegenden DVD Laden noch einen obligatorischen Besuch ab. Er überzeigte dieses Mal nicht, daher stolperten wir gleich am Dönerladen vorbei die Treppen ins Cheers hoch. Eine ganze Reihe Gäste hatten sich schon versammelt, später würde man sich kaum bewegen können.
Freudig blickte ich dann der Eröffnung des Buffet entgegen. die Süddeutsche Bäckerei Café Konstanz hatte das Catering übernommen und leider musste ich bei einigen der schwäbischen Spezialitäten, die Hartmut geordert hatte, passen - ich konnte Deng Miao nicht bei allem erklären, was sie dort essen würde ... Aber, lecker war´s!
Ich traf einige bekannte Gesichter von voran gegangenen Parties und Bar-Besuchen in Beijing, von denen mich jedoch die wenigsten erinnerten. Deng Miao freute sich entgegen, dass ein chinesisches Paar der Ansicht war, sie sehe so jung aus, sie müsse wohl gerade das Diplom gemacht haben. Wie sie sich so freute, forderte sie die beiden auf, mein Alter zu schätzen. Das machte sie ganz gern mal und hoffte, ich würde so etwas "deklassiert" werden. Tatsächlich erschrak sie bei der Antwort, wir seien wohl im gleichen Alter (Tatsächlich waren wir ja sieben Jahre auseineinander ... )
Ja, der Abend lief, das Bier floß. Einige interessante Leute waren dabei - Leute, die beruflich für mich Kontakte darstellten, die erste Farbige, die mir auf die Wange küsste, die erste Mongolin, die Deng Miao und mich zum tanzen zwang, jedoch nicht der erste Hong Kong Chinese, den ich betrunken sah.
Gegen 3.00 UIhr verabschiedeten wir uns, wir mussten ja noch zurück in unsere Weltstadt Tianjin. Ein Hotel wollten wir für die halbe Nacht nehmen und waren uns stattdessen einig geworden, den Zug um 4.00 Uhr zurück zu nehmen. Natürlich bekamen wir keine Sitzplatzkarten mehr. Ich verstand das System Eisenbahn in China einmal mehr nicht, denn als der Zug am Bahsteig stand, war nicht einmal die Hälfte der Sitzplätze belegt. Wir entschieden, dann eben den doppelten Preis für den Liegewagen zu bezahlen.
Nun hieß es erst einmal eine Dreiviertelstunde warten. Wir setzten uns auf den Fußboden der Bahnhofshalle, wir die armen (einfachen) Leute um uns herum. Es erinnerte mich auf das frühere Warten  der ersten S-Bahn sonntagmorgens auf der Reeperbahn.
Nach einer Stunde Fahrt sprangen wir im Halbschlaf auf, der Zug hatte gehalten. Als ich schon aus dem Waggon hinaus geklettert war und auf dem Bahnsteig stand, erklärte die Schaffnerin, dass wir noch gar nicht in Tianjin waren. Also legten wir uns für eine weitere Stunde hin. Angekommen, ließen wir uns von einem der wartenden Taxifahrer mitnehmen und waren Sonntagmorgen um 7.00 Uhr daheim ...

16.12.07 07:29, kommentieren

6. Dezember 2007

Der Duft der grossen weiten Welt, er war diese Woche in Tianjin.
Das Broadway Musical "42nd Street" gastierte im Grand Theatre der Stadt. Schon in Shanghai hatte ich dies sehen wollen, doch im Vorverkauf leider keine Karten bekommen und war dann krank gewesen. In Beijing hatte ich Werbung gesehen, war aber leider zur Zeit der Auffuehrungen nicht in der Stadt. Nun war es soweit - ich hatte Zeit und war gesund!
Auf der Strasse hatte ich mir ein Ticket gekauft und statt 480 RMB nur 200 RMB gezahlt. Nachdem ich eine halbe Stunde in der Dunkelheit vor dem Theater gewartet hatte, oeffneten die Tore und wir Wartenden erhielten Einlass. Die Lobby war sehr nuechtern, ihr kalte Ausstattung erinerrte mehr an ein Museum oder gar eine Behoerde, denn an ein Theater, einen Ort der Muse!
Innen war es dann aber in Ordnung, auch wenn mich die allgegenwaertige Holzvertaefelung an Schrankwaende der 70er Jahre erinnerte. Die Auffuehrung selbst war gut. Fuer Details fehlen mir leider Vergleiche. Enttaeuscht war ich jedoch von der Atmospaehre im Theater. Obwohl ich dies schon kannte, wusste wie sich chinesisches Publikum verhielt, hatte ich das wohl verdraengt ...
Einige wenige Gaeste - ich schaetze mal 80% der Anwesenden - schienen sich gar nicht fuer das Stueck zu interessieren. Zum Beispiel das Paerchen vor mir. Erst kamen sie 15 Minuten zu spaet. Dann assen sie ihr Abendessen, auf einer raschelnden Papptuete von KFC oder McDonalds. Wenn sie nicht gerade Fotos der Auffuehrung machten oder Filmsequenzen aufnahmen, unterhielten sie sich. Schliesslich verglichen sie ihre Telefone.
Ich hatte den Verdacht, sie waren nur Ihres "Gesichtes" wegen dort. So konnten sie am naechsten Tag prahlen, dass sie im Theater bei der Auffuehung eines amerikanschen Musicals waren. Dazu eignete sich natuerlich das neueste Nokiasamsungsonyericsson Telefon um Bilder oder Filme davon zu zeigen.
Ich ging hingegen entnervt und zermuerbt nach zwei Stunden nach Hause. Ob ich noch einmal zu einer Theaterauffuehrung oder aehnlichem gehen wuerde, musste ich mir gruendlich ueberlegen...

7.12.07 09:37, kommentieren

05. Dezember 2007

So muss das sein!
Da sitzen wir hier gerade vertraeumt in unserem Baubuero am Arsch der Welt, geht die Tuer auf und 2 Auslaender kommen herein maschiert.
Mit breitem amerikanischen Akzent erklaerten sie, wir saehen aus, als wuerden wir Pizza vertragen koennen.
Sie haette eine Pizzeria gar nicht weit von hier und wollten sich mal vorstellen.
Und zur Vorstellung stellten sie und gleich mal 4 (!) Pizzas auf den Tisch!

Da wir heute nur zu dritt sind und die gar nicht aufessen konnten, haben wir die deutschen Kollegen von der Haustechnik-Firma dazu geholt und eine zu den Chinese Partners rueber getragen.

Ja, hoffentlich werden wir noch mehr solcher Tage verbringen!

5.12.07 08:31, kommentieren